TEILZEIT KOMMT IN MODE

Oktober 28, 2013

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Hausmann mit Kind

Warum Unternehmen diesen Trend
als Chance sehen müssen

Der heutige Arbeitsmarkt ist volatiler denn je. Nicht nur für die Generation Y, sondern für fast alle Arbeitnehmer gilt: Die einzige Konstante ist, dass nichts mehr konstant ist. Während eine Anpassung an die Flexibilisierung von Arbeits- und Service-Zeiten von den Arbeitnehmern verlangt wird, hinken viele Unternehmen bei der Bereitstellung entsprechend moderner Arbeitsstrukturen noch hinterher. Ein schweres Versäumnis in Zeiten des „War for Talents“. Ein immer wichtiger werdender Aspekt ist das Ermöglichen und sogar Fördern von flexibler Teilzeitarbeit – auch für Führungskräfte und vor allem immer mehr auch für Männer. Dabei geht es meistens nicht um eine halbe Stelle. Vielen Managern würde eine Reduzierung auf ca. 80 Prozent reichen, um ihre Work-Life-Balance auf ein zufriedenstellendes Maß zu optimieren. Warum das in der Praxis meistens noch nicht umgesetzt wird, liegt maßgeblich an zwei Faktoren.

1) Die Unternehmen zögern bei der Bereitstellung und Förderung von Teilzeitarbeit

Diese Haltung ist problematisch. Wer Teilzeit ermöglicht, tut dies nicht aus Gutmenschentum. Die Mitarbeiter wissen, dass ihnen auf diese Weise Respekt und Wertschätzung entgegen gebracht werden. Und diese werden meistens in Form von gesteigerter Einsatz- und Leistungsbereitschaft zurückgezahlt.

Andy Keel, Gründer der Initiative teilzeitkarriere.ch, spricht sogar von einem positiven Return on Investment von Zeitarbeit. Dieser bildet sich in einer höheren Zufriedenheit der Mitarbeiter und daraus folgend höherer Produktivität, weniger Fehlzeiten und einer positiven und konstruktiven Unternehmenskultur ab.
Hinzu kommt: Die meisten Teilzeitkräfte managen in der zusätzlichen Zeit ihre Familien und es leuchtet ein, dass die dort investierte Zeit auch im Job Früchte tragen kann. Gute Familienmanager sind flexibel, belastbar, kommunikativ, lösungsorientiert und Organisationstalente.
Alles in allem steht im Idealfall am Ende ein enormer Werbeeffekt für das Unternehmen. Effiziente Öffentlichkeitsarbeit also ohne Griff in die Marketing-Töpfe.

2) Vor allem männliche Führungskräfte fürchten eine Brandmarkung

Dahinter steckt im Kern die Frage, ob Männlichkeit mit Teilzeitarbeit kombinierbar ist. In der Theorie scheinbar schon, denn über 80 Prozent der befragten Männer einer Studie des deutschen Statistischen Bundesamtes standen der Teilzeitarbeit schon 2010 positiv gegenüber, fast die Hälfte wünschte sie sich sogar für sich selber. Doch die Mehrheit verhält sich geradezu gegensätzlich – man(n) will ja nicht zu der „Generation Weichei“ gehören. Sicher, es gibt Jobs in der obersten Führungsebene mit einer sehr hohen zeitlichen Verfügbarkeit und Reisebelastung. Eine Reduzierung der Stelle wäre hier von heute auf morgen sicherlich nicht umsetzbar. Aber es lohnt sich darüber nachzudenken, ob man nicht Strukturen so ändern kann, dass auch das möglich wird.

Sehr konsequent setzt das der mittelständische Unternehmer Detlef Lohmann um. Per Management-buy-in wurde er Geschäftsführer von Allsafe Jungfalk, ein Zulieferbetrieb für Ladegut-Sicherung, und erfand das „Brummkreisel-Organigramm“. Er stellte die bekannte Hierarchie-Pyramide in einem langfristigen Strategiewechsel auf dem Kopf. Auch wenn der Titel seines Buches Und mittags geh ich heim nach eigenen Angaben vor allem Marketing und damit nicht wörtlich zu nehmen ist, schafft Lohmann Erstaunliches: „Ich arbeite 35 bis 40 Stunden pro Woche und bin nach Feierabend in der Regel nicht mehr erreichbar“. Das, so Lohmann,  gehe nur mit konsequentem Delegieren und der Fähigkeit, in Mitarbeiter zu vertrauen und viel Verantwortung abzugeben – Beta-Chef statt Alphamännchen.

So sieht es auch Andy, der vor allem die Förderung von mehr Teilzeitarbeit bei Männern vorantreibt. Und er hofft auf den Leuchtturmeffekt bisheriger Erfolgsgeschichten wie jener von Detlef Lohmann: „Je mehr Männer – auch mit Führungsverantwortung – Teilzeit arbeiten, desto mehr werden auch viele gut ausgebildete Frauen dies tun können.“ Mit seiner Initiative rührt er seit Mai 2012 intensiv die Werbetrommel für mehr Zeitarbeit und möchte den entstandenen Medien-Hype zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden lassen. Ich kann dieser Einstellung sehr viel abgewinnen. Es sollte kein Entweder-Oder zwischen Führen und anderen Verpflichtungen geben.

Dennoch ist nicht alles Gold was glänzt und man darf dieses Thema nicht zu einseitig betrachten. Wer Teilzeit systematisch anbieten will, entscheidet sich für gewisse Investitionen und es gibt einiges zu beachten.
So darf die Minderarbeit der einen nicht die Mehrarbeit der anderen sein. Unternehmen sollten stets ein Auge darauf haben, ob Teilzeitmitarbeiter mit ihrer Situation wirklich zufrieden sind und ob sie sich trotz geringerer Anwesenheit im Unternehmen eingebunden und „gewünscht“ fühlen.
(Miss-)management der Teilzeitstellen führt zu erhöhten administrativen Aufwand (und damit verbunden zu Mehrkosten) und kann Überstunden produzieren, außerdem ist nicht per se jede Position und jeder Mitarbeiter für Teilzeitarbeit geeignet. Neben der Herausforderung durch Organisation und Koordination der Teilzeitarbeiter kann es auch in bestimmten Situationen zu einem Machtvakuum und damit zu einer Entscheidungsunfähigkeit kommen. Hier müssen die richtigen Stellschrauben gedreht werden.

Doch die größte Baustelle ist wohl die noch vorhandene gesellschaftliche Ächtung von Teilzeitarbeit, insbesondere bei Männern. Hier sollten Unternehmen, die sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren wollen, Vorbildcharakter beweisen. Kampagnen wie teilzeitkarriere.ch sorgen für eine zu begrüßende Sensibilisierung zu diesem Thema.

Mehr Infos zu Teilzeitarbeit in der Schweiz und das größte Teilzeit-Job-Portal der Schweiz:

http://www.teilzeitkarriere.ch
https://www.facebook.com/teilzeitkarriere

http://www.teilzeitmann.ch
https://www.facebook.com/Teilzeitmann

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